Die Preisträger 2025/26
Die Juroren und die Gewinnerinnen des Concrete Design Competition 2024/2025, Franziska Sorger und Öykü Tok, bewerteten Forschungs- und Entwurfsarbeiten, die von Studentinnen und Studenten der Fachrichtungen Architektur, Konstruktiver Ingenieurbau, Produktdesign und Medienkunst eingereicht wurden.
Sie vergaben einen ersten Platz, einen zweiten Platz und zwei dritte Plätze.
Die Gewinner und Gewinnerinnen sind:
1. Platz:
Ghiath Mardini
von der Technischen Universität Darmstadt
2. Platz:
Robin Karutz
von der RWTH Aachen University
3. Platz:
Justus Voigt und Paula Dudziak
von der Universität der Künste Berlin
3. Platz:
Léon Bischoff
von der Technischen Hochschule Köln
1. Platz: YA107, The Liquid-Stone Paradox
Ghiath Mardini
Technische Universität Darmstadt,
Beschreibung/Jurybegründung:
„The Liquid-Stone Paradox“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Wiederaufbau nach Zerstörung gelingen kann, ohne die Identität eines Ortes zu verlieren. Der Beitrag schlägt ein Konzept vor, dass auf Erinnerung, Atmosphäre und kultureller Kontinuität basiert. Fotografien, Erzählungen und digitale Rekonstruktionen dienen dazu, verlorene Räume zu erfassen und mit 3D-Betondruck wieder sichtbar zu machen.
Die Stärke der Arbeit liegt in der Verbindung von emotionaler Erzählung und technologischer Möglichkeit. Beton erscheint nicht nur als Baustoff, sondern als Träger von Erinnerung. Auch die Idee, geschredderten Beton aus zerstörten Gebäuden in den Wiederaufbau einzubinden macht den Beton hier zum Möglichmacher einer Transformation zurück zu einem Zustand vor der Zerstörung. Gleichzeitig macht der 3D-gedruckte Beton durch seine eigene Struktur den Eingriff sichtbar und unterscheidet sich – konservatorisch konform – bewusst vom Bestand.
Die Arbeit verfolgt ihren konzeptionellen Ansatz konsequent und illustriert diesen mit einer berührenden Erzählung. Sie verzichtet auf technische Detailtiefe und entwickelt stattdessen ein starkes Bild von Wiederherstellung und Erinnerung. Auch wenn konstruktive Fragen offenbleiben, überzeugt das Projekt durch seine klare Haltung und seine gedankliche Kraft.
Bildnachweise alle: © Ghiath Mardini
2. Platz: RK234, Transforming Concrete Assembly
Robin Karutz
RWTH Aachen University, Institut für Baumanagement, Digit. bauen und Robotik im Bauwesen unter der Leitung von Prof. Klemt-Albert
Beschreibung/Jurybegründung:
Der Beitrag „Transforming Concrete Assembly“ untersucht neue Möglichkeiten, Betonbauteile miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt steht ein magnetisches Verbindungssystem, das Bauteile flexibel koppeln und wieder lösen kann. Die Arbeit zeigt Perspektiven für reversible und anpassungsfähige Bauweisen.
Die Jury würdigte vor allem den experimentellen und forschungsorientierten Ansatz. Das Projekt besitzt eine hohe Eigenständigkeit und zeigt Potenzial für zirkuläre Bauweisen. Seine Qualität liegt weniger in einem architektonischen Entwurf als in der Entwicklung eines neuen konstruktiven Prinzips.
Offen bleiben Fragen zur Tragfähigkeit, zu Auflagerpunkten und zur praktischen Umsetzung. Auch die grafische Darstellung erschwerte stellenweise das Verständnis der Zusammenhänge. Dennoch leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Diskussionen über Materialeffizienz, Rückbaubarkeit und modulares Bauen. Ihr Innovationspotenzial liegt gerade im konsequenten Weiterdenken dieser Themen.
Bildnachweise alle: © Robin Karutz
3. Platz: PJ161, WG-Haus Lichtenberg
Paula Dudziak und Justus Voigt
Universität der Künste Berlin, something fantastic
Beschreibung/Jurybegründung:
Das „WG-Haus Lichtenberg“ nähert sich dem Thema Transformation mit großer Selbstverständlichkeit. Ausgehend von einem demontierten Berliner Plattenbau entwickelt die Arbeit ein neues Gebäude, das vorhandene Strukturen und Materialien aufgreift und weiterentwickelt. Die Oberflächen des „Spendergebäudes“ wurden hierbei bewusst inszeniert und schaffen einen ausdrucksstarken Baukörper.
Besonders überzeugend ist die Haltung des Projekts. Der Umgang mit der Platte wirkt weder nostalgisch noch ironisch, sondern zeitgemäß und selbstbewusst. Die Jury hob zudem die klare und verständliche Darstellung hervor. Das Projekt wirkt direkt, mutig und zugänglich. Einzelne Grundrisse und konstruktive Fragen sind noch nicht vollständig ausgearbeitet, beeinträchtigen jedoch nicht die Qualität der Grundidee.
Die Arbeit zeigt, dass Transformation nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Aufgabe ist. Gerade daraus bezieht sie ihre Stärke.
Bildnachweise alle: © Paula Dudziak und Justus Voigt
3. Platz: LB110, Construct Brutalism
Léon Bischoff
Technische Hochschule Köln, Architekturgeschichte und Entwerfen unter der Leitung von Prof. Daniel Lohmann
Beschreibung/Jurybegründung:
Diese Arbeit versteht den Gebäudebestand konsequent als Rohstofflager. Ausgangspunkt ist die Analyse eines bestehenden Gebäudes, dessen Bauteile erfasst, bewertet und in einem Materialkataster dokumentiert werden. Daraus entwickelt die Arbeit einen umfassenden Ansatz zur Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.
Besonders hervorzuheben ist die umfangreiche Recherche- und Dokumentationsleistung. Für sämtliche Bauteile wurden Materialpässe erstellt, Rückbauprozesse untersucht und Wiederverwendungsmöglichkeiten bewertet. Die Arbeit zeigt anschaulich, welche Anforderungen mit einer zirkulären Bauweise verbunden sind und welche planerischen Chancen daraus entstehen.
Die Jury diskutierte zugleich kritisch den Realitätsbezug einzelner Annahmen. Fragen zu Wärmebrücken, Schadstoffsanierung und konstruktiven Details bleiben teilweise unbeantwortet. Zudem tritt die räumliche Qualität des Entwurfs hinter der analytischen Arbeit zurück. Dennoch überzeugt das Projekt durch seine Konsequenz und seinen systemischen Ansatz. Es formuliert ein strategisches Modell für den Umgang mit Bestand, Ressourcen und CO₂-Emissionen und leistet damit einen relevanten Beitrag zur aktuellen Transformationsdebatte.
Bildnachweise alle: © Léon Bischoff


